Warum mich mein Stammlokal in Sarajevo nach elf Jahren als Gast verloren hat.
Galerija Boris Smoje und ich.
Wenn ich in Sarajevo war, war das eine Einheit. Mein Cafe. Meine Bar. Mein Wohnzimmer.
Bei meinem jüngsten Besuch in Sarajevo schaute ich blöd. Hing doch ein Rauchen Verboten-Schild in der Auslage.
„Goran hat das so entschieden“, hat mir der Kellner gesagt. Goran ist der Besitzer der Galerija Boris Smoje.
Zuletzt, im Mai, hatte er sein Lokal noch als Raucherlokal gekennzeichnet. Ganz dem neuen Gesetz im bosnischen Teilstaat Federacija entsprechend.
In Speiselokalen darf man nicht mehr rauchen. In Cafes und Bars nur unter bestimmten Voraussetzungen: Getrennte Räume oder eigene Lüftung.
Galerija Boris Smoje hatte die Voraussetzungen offensichtlich erfüllt.
In der Zwischenzeit scheint es sich Goran anders überlegt zu haben.
Er will keine Raucher als Gäste.
Er hätte es sich aussuchen können. Er hat es sich ausgesucht.
Wenn er mich nicht will, komm ich nicht. Ich muss mein Geld nicht dortlassen. Auch nicht im Schanigarten bei gutem Wetter.
Und was ich dort über die vergangenen elf Jahre an Geld gelassen hab.
Wie oft war ich hier?
Zeitweise war ich am späten Vormittag oder frühen Nachmittag auf ein paar Kaffee dort. Und wieder am Abend, bis Sperrstunde.














Vor Corona war das mitunter bis ein, zwei in der Früh. Seit Corona schwankt die Sperrstunde zwischen zehn und elf am Abend, je nach Wochentag.
Wie oft war ich in diesem Lokal?
Wenn ich alles zusammenrechne, 200- bis 300 Mal.
Hierhin hat mich jedes Mal der erste Weg geführt, wenn ich meine Koffer bei Adi verstaut hatte.
Hier hab ich mich praktisch immer mit Freunden verabredet. Manche hab ich zum ersten Mal dorthin gebracht.
Hier hab ich jeden Stammgast gekannt. Die Kellner natürlich sowieso.
Hier hab ich viele spannende Diskussionen gehabt.
Hier hab ich viele spannende Ausstellungen erlebt.
Hier hatte ich im Vorjahr meine erste Fotografie-Ausstellung.
Hier hab ich die Frau kennengelernt, die ich für die Frau meines Lebens hielt. Es beruhte nicht auf Gegenseitigkeit. Kann man dem Lokal nicht anlasten.
Aus dem Wohnzimmer vertrieben
Es fällt mir nicht leicht, loszulassen.
Es muss sein.
Gebe es ein allgemeines Rauchverbot in bosnischen Lokalen, müsste ich mich der zeitgemäßen Barbarei zähneknirschend beugen.
Es gibt es nicht.
Ich muss nichts. Ich kann entscheiden. Und hier folge ich meinen Prinzipien.
Wer mich als Gast nicht will, kriegt mich auch nicht.
Es gibt Alternativen.
Goran ist nicht der einzige, der es sich aussuchen kann.
Und nein, ich werde auch nicht zurückkehren, wenn es ein allgemeines Rauchverbot in bosnischen Lokalen gibt.
Goran ist ohne Not vorausgeprescht. Was auch immer er sich überlegt hat, es wird ohne mich funktionieren müssen.
Ich bin auch nicht der einzige Stammgast, der das Lokal seither meidet oder seltener aufsucht.
Die halbe Ekipa verbringt ihre Abende mittlerweile lieber woanders.
Wir fühlen uns aus unserem Wohnzimmer vertrieben. Sowas tut weh. Sowas vergisst man nicht.
Das Foto in der Galerie, das mich zeigt, stammt von Nino Maričić
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Ich habe für den Wirt Verständnis. Die Auflagen wären, wie im Beitrag erwähnt, hoch und die Kosten um diese zu erfüllen hoch. Trotzdem ist es schade, wenn man auf diese Art sein Stammlokal verliert.
Die Auflagen hatte er ja bereits erfüllt. Im Mai noch hatte er sein gesetzeskonformes Raucherbereich-Pickerl angebracht. Hätte er nicht bekommen, hätte er die Auflagen nicht erfüllt.