Filip David

Abschied eines Unbeugsamen

Filip David ist tot. Der serbische Schriftsteller und Dramaturg starb am Montag nach langer schwerer Krankheit im 85. Lebensjahr. Er war einer der bekanntesten Literaten seiner Heimat.

Filip David war der Widerstand in die Wiege gelegt. Was abgedroschen klingen mag, ausgeleiert von vielen voreiligen Lob- und Dankesreden, auf den 84-Jährigen passt es. Ohne den Kampf gegen Unrecht und Mord, und ohne, dass dieser Kampf solidarisch getragen worden wäre, auf allen Ebenen, hätte es sein Leben nie gegeben,

1940 in Kragujevac geboren, verlor er Familienangehörige beim Massaker der Wehrmacht in seiner Heimatstadt im Oktober 1941. Beinahe wäre der aus einer jüdischen Familie stammende David der Shoa zum Opfer gefallen.

Seine Mutter Roza und er konnten sich in der Vojvodina nahe Manđelos bei Fruška Gora verstecken. Sein Vater Frederik war bei den Partisanen. Der Großteil der Familie der Eltern wurde in den Lagern Staro Sajmište und Jasenovac ermordet.

Welche Spuren das bei den Überlebenden hinterlassen hat, verarbeitete er in einem Roman, der vor zehn Jahren unter dem Titel „Das Haus des Erinnerns und des Vergessens“ auf Deutsch erschienen ist.

(Mehr über den Roman lest ihr hier.)

Nach der Universität und der Akademie für Theater, Film, Radio und Fernsehen an der Beograder Kunstuniversität arbeitete er als Redakteur und Dramaturg beim öffentlich-rechtlichen Sender RTS.

Daneben sorgte er mit seinen Kurzgeschichten für Aufsehen und gewann zahlreiche jugoslawische Literaturpreise.

1989 halt er mit der Vereinigung Unabhängiger Schriftsteller in Sarajevo, eine Plattform gegen den sich abzeichnenden nationalistischen Wahnsinn in Jugoslawien zu errichten, dessen Zerfall immer wahrscheinlicher wurde.

Mit der Gründung des Beograder Kreises 1990 und seinem Engagement in der Unabhängigen Gewerkschaft in der RTS begab er sich in offene Opposition gegen das Regime von Slobodan Milošević. Das kostete ihn 1992 den Arbeitsplatz.

Von dieser Zeit an bestritt er seinen Lebensunterhalt vorwiegend als Schriftsteller und veröffentlichte während des Krieges eine Serie von Essays unter dem Titel Fragmente aus dunklen Zeiten. Sie wurden national und international veröffentlicht, und in Hörfassung ausgestrahlt.

Daneben war er ab 1998 wieder Drehbuchautor für mehrere Film- und Fernsehproduktionen.

Als Mitglied der Vereinigung Adligat half er auch mit, das Museum für serbische Literatur zu gründen. Dort ist seine persönliche Sammlung mit seiner Schreibmaschine und handsignierten Büchern zu ausgestellt.

Filip David war auch einer der Erstunterzeichner der Erklärung über die Einheitliche Sprache, mit der sich 2017 hunderte Autoren, Sprachwissenschaftler und Intellektuelle von den nationalistischen Vereinnahmungsversuchen der Sprache distanzierten, die früher Serbokroatisch genannt wurde.

Seine Romane und Kurzgeschichtensammlungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Am Montag verstarb Filip David nach Angabender Künstlervereinigung Adligat in Beograd 84-jährig nach langer, schwerer Krankheit.

Titelfoto: Medija centar Beograd via Wikimedia Commons

Dieser Artikel stützt sich wesentlich auf die Angaben der Artikel der Wochenzeitschrift Vreme und der Literaturzeitschrift NIN.

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Ein Gedanke zu “Abschied eines Unbeugsamen

  1. An den anderen, durch eigene Erfahrungen, kann Grausamkeit, das Zerstörerische, und Verbrechen erkannt werden. Das die universelle, unteilbare, absolute Menschenwürde mit Füssen getreten wird. Das absolute Böse ist nicht banal, es ist dem Menschen nicht zugänglich. Niemand kann von sich behaupten, das er das eigene Böse, jemals gebannt hat.

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