Mit 300.000 Teilnehmern waren die Proteste in Beograd vergangenen Samstag die größte Demonstration der serbischen Geschichte. Der Wiener Fotograf Kramar erzählt für Balkan Stories diesen Tag in Bildern.
Seit den Morgenstunden sind die Demonstranten im Stadtzentrum unterwegs. Sie sind dem Aufruf der Studenten Serbiens gefolgt, am 15. März für Demokratie und Rechtstaat und gegen Korruption auf die Straße zu gehen.




Was sie heute und die Menschen im ganzen Land seit bald vier Monaten auf die Straße treibt, ist die Katastrophe von Novi Sad am 1. November. Das Vordach des frisch renovierten Bahnhofs stürzte ein. Die Trümmer erschlugen 15 Menschen.
Einige der Baufirmen haben enge Kontakte zur serbischen Regierungspartei SNS.




Gegen die Mittagszeit ziehen zehntausende durch das Stadtzentrum.
Sie kommen aus ganz Serbien, sind jung, sind alt, sind Studenten, Arbeiter, Pensionisten.




Ab 13 Uhr wird es ernst. Zu diesem Zeitpunkt beginnen an mehreren Orten in der Stadt größere Kundgebungen. Wir sind am Trg Republike dabei.



Gegen 15 Uhr setzen sich die Massen in einem Sternmarsch Richtung Parlament in Bewegung.
Auf dem Weg treffen wir Marko Miletić vom kritischen Portal Mašina.





Vor dem Parlament stehen so viele Menschen, wie Platz finden. Polizei ist nicht zu sehen. Nur hinter dem Gebäude steht Gendarmerie.



Trg Slavija. Der zentrale Platz ist der Höhepunkt der Massendemonstration.



Punkt 19 Uhr sind der Trg Slavija und die Straßen, auf denen die Menschen stehen, still.
Die 300.000 schweigen.
Sie schweigen 15 Minuten lang.
Eine Minute für jedes Opfer von Novi Sad.
Lauter als dieses Schweigen kann keine Anklage gegen Korruption sein.



Kurz darauf löst sich die größte Demonstration der serbischen Geschichte auf.
Die Teilnehmer haben Mut geschöpft. Mut, dass sich mit ihrem Kampf etwas ändert in Serbien. Dass sie mitgeholfen haben, ein politisches System zu beseitigen, das die alltägliche Korruption ermöglicht.
Das will auch gefeiert werden. Wie hier im knallvollen Restaurant Mala Slavija.


Alle Fotos: (c) Kramar
Text: Christoph Baumgarten
Meine Reportage über die Massenproteste am 15. März könnt ihr hier nachlesen.
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