Katzenleiche in Mejtaš, Sarajevo

Die tote Katze von Mejtaš

An einer Straßenecke von Mejtaš liegt eine tote Katze. An dem Kadaver sieht man, was alles falsch läuft in Sarajevo.

„Der Trottel ist die Straße viel zu schnell heraufgefahren“, zeigt sich Adi empört. „Diesmal hat’s eine Katze erwischt. Stell dir mal vor, das wär ein Kind gewesen“.

Adi hat den Unfall aus seinem Fenster gesehen. Der Autofahrer ist einfach weitergefahren.

Vielleicht hat er nicht einmal bemerkt, dass er eine Katze überfahren hat.

Die engen Straßen oberhalb des Stadtzentrums von Sarajevo sind viel befahren. Gehsteige im engeren Sinn gibt es hier nicht. Als Fußgänger kann man sich gerade mal auf ein enges baulich abgetrenntes Stück stellen, um einem Autofahrer zu entkommen.

Für so viele Autofahrer hier sind Geschwindigkeitsbegrenzungen bestenfalls eine unverbindliche Empfehlung.

Eine gefährliche Kombination. Zudem sich die Katzen in der Stadt vermehrt haben, seitdem die Straßenhunde plötzlich verschwunden sind. Wie genau, will man nicht wissen.

Gerade diese Ecke zieht die Katzen an.

Hier stehen ein paar offene Mülltonnen. Sie sind immer gut gefüllt. Mit Mülltrennung hat man es nicht so hierzulande. Die Müllabfuhr kommt auch seltener als man das etwa aus Wien gewohnt ist. Ein Futterparadies für alle Vierbeiner, die in die Tonnen gelangen.

Dass es hier einmal eine Katze erwischt, war nur eine Frage der Zeit.

Und wie Adi sagt, ein Glück, dass es Kind war.

Irgendjemand hat offenbar anstandshalber den Kopf der Katze mit ein paar Blättern Küchenrolle bedeckt.

Das ist nicht das einzige Problem, das sich an dieser Szene offenbart.

Wie entsorgt man den Kadaver?

Ein Nachbar Adis wollte das tote Tier in der Mülltonne entsorgen.

Ausgerechnet in dem Moment kam die Müllabfuhr vorbei.

„Die haben den Kadaver wieder rausgeworfen, auf den Gehsteig“, sagt Adi. „Tierkörper im Müll zu entsorgen, ist verboten.“

Das macht Sinn.

Das Veterinärgesetz für Gesamtbosnien aus dem Jahr 2002 sieht Veterinärstellen vor, die tote Tiere auf eigene Kosten entsorgen. Nur, in der Mahala hat keiner eine Ahnung, wo und wie man eine derartige Stelle erreichen könnte.

„Einer von uns müsste also das Tier bei sich im Garten begraben, oder einen Tierarzt oder einen Kammerjäger bezahlen, der den Kadaver entsorgt“, sagt Adi.

Das will sich auch keiner antun.

Wenn man hier mal einen Katzenfriedhof im eigenen Garten aufmacht, ist der Garten schnell voll.

Auch sehr engagierte Tierschutzorganisationen wie diese gehen unter in Arbeit, und bieten auf ihrer Homepage gar nicht erst an, tote Katzen zu entsorgen. Es gibt genug lebende Tiere in Not, um die man sich zu kümmern hat.

Bleibt nur, den Kadaver in die Mülltonne zu werfen, wenn gerade niemand von der Müllabfuhr um die Ecke ist. Und hoffen, dass es niemandem auffällt.

Auch keine elegante Lösung.

In Bosnien muss man oft improvisieren.

Wichtiger als die Frage, wo der Kadaver landet, ist die, wie man die örtlichen Autofahrer dazu bringen kann, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten.

Nicht, dass es nächstes Mal nicht eine Katze trifft, sondern ein Kind.

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