Schlamperei in einem Steinbruch über dem Dorf Donja Jablanica in der Hercegovina war möglicherweise verantwortlich für den Erdrutsch, der in der Nacht auf Freitag mindestens 12 Menschen tötete. Das berichten bosnische Medien. Die Kriminalpolizei ermittelt.
Fotos wie dieses Titelfoto lassen keinen Zweifel aufkommen, woher der Erdrutsch stammt, der in der Nacht auf Freitag mindestens 16 Menschen im Dorf Donja Jablanica bei Jablanica in der nördlichen Hercegovina tötete.
Bis zum Fluss hinunter liegen auf der 20 Meter breiten Schneise weiße Granitbrocken. Sie müssen aus dem Steinbruch 200 Meter oberhalb des Dorfs stammen.
Nach heftigen Regenfällen lösten sich gegen zwei Uhr morgen Gesteinsmassen aus dem Steinbruch über dem Dorf und rasten ins Tal.
Die Felslawine bildete nach Berichten der Polizei einen Damm, der die laufende Hochwasserkatastrophe verschlimmerte. Mehrere Häuser wurden weggerissen, große Teile des Dorfes innerhalb von Minuten überflutet.
Am tiefsten Punkt des Dorfes ragte einzig die Kuppel der Moschee aus dem Wasser. Semir Jahić, der Imam der Moschee, und seine Frau Amra halfen mehreren Anrainern in letzter Sekunde, diesen Punkt zu erreichen, bevor sie sich selbst retteten.
Dort harrten sei mehr als zwei Stunden aus, schildert Amra Jahić.
Ein junger Mann wurde von den Fluten weggerissen, nachdem er mehrere Menschen aus ihren Häusern befreit und an sichere Orte gebracht hatte. (Balkan Stories berichtete.)
Die Zahl der Opfer dürfte weiter steigen. Dutzende Helfer der Bergrettung, des Roten Kreuzes, des Zivilschutzes und der Armee suchen in den Fluten und im Schlamm nach einer offenbar größeren Anzahl an vermissten Dorfbewohnern.
Auch bosnische Behörden haben keinen Zweifel, dass die fatale Gesteinslawine ihren Ausgang im Steinbruch nahm. Das bestätigt der bosnische Außenminister Elmedin Konaković in einem Interview mit dem TV-Sender N1.
Schutt soll jahrelang nicht abtransportiert worden sein
Die Frage stellt sich, ob das eine unvorhersehbare Katastrophe war oder ob Schlamperei und möglicherweise jahrzehntelanges Behördenversagen den Erdrutsch begünstigten oder gar auslösten.
Wie das investigative Portal Istraga.ba berichtet, sollen die Verantwortlichen des Granitsteinbruchs 200 Meter über dem Dorf jahrelang unbrauchbare Bruckstücke und Schutt nicht abtransportieren haben lassen – möglicherweise um Kosten zu sparen. Daraus habe sich das Sediment gebildet, das bei den heftigen Regenfällen in der Nacht auf Freitag den Erdrutsch mit mindestens 16 Toten ausgelöst habe.
Außerdem dürfte unklar sein, über welche Genehmigungen der Steinbruch verfügt, und wie häufig Behörden die Sicherheitsbestimmungen kontrolliert haben.
„Was passiert ist, hat uns alle überrascht, und es ist bedauerlich. Die Regenfälle waren nicht so stark als dass das hätte passieren können“, kündigte der gesamtbosnische Innenminister Ramo Isak noch am Freitag Ermittlungen an. „Die Kriminalpolizei ist da, um herauszufinden, was den Erdrutsch verursacht hat“.
In der emotionsgeladenen Stimmung wurden auch Rufe laut, einen Haftbefehl gegen Dženan Honđo, den Besitzer des 2001 eröffneten Steinbruchs, zu erlassen. Kritiker sehen in ihm den Hauptverantwortlichen für den tödlichen Erdrutsch.
Von ihm lag bis Samstagvormittag keine öffentliche Stellungnahme vor. Balkan Stories hat Dženan Honđo per e-mail und per Facebook ebenfalls um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Er hat bislang nicht geantwortet.
Update: Samstagmittag korrigierte der Sprecher der Kantonalregierung Hercegovina Neretva die Zahl der Opfer nach unten. Mehrere Leichen seien doppelt gezählt werden. Demnach starben in Donja Jablanica zwölf Menschen, sagte Darko Juka in einer Pressekonferenz. Mindestens sechs Menschen werden in der Großgemeinde Jablanica vermisst, zu der auch Donja Jablanica gehört.
Einen aktuellen Überblick über die Lage bietet der Live-Ticker von Radio Sarajevo.
Titelfoto: Soziale Medien
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