Serbien hat ein Hooligan-Problem. Das hat dazu geführt, dass Samstagnacht die Polizei die Innenstadt von Beograd beinahe lahmgelegt hat. Und es ging nicht nur um ein Fußballspiel.

Partizan gegen Crvena Zvezda – da ist Simmering gegen Kapfenberg nichts dagegen. Vor allem Crvena Zvezda ist bekannt für seine rechtslastigen und gewaltbereiten Ultras.

Samstagabend, Ulica Terazije. lurz vor der Knez Mihajlova: Polizisten strömen aus drei Reisebussen.

Polizisten in Demomontur: Mit Schild, Helm, Schutzwesten, Ellbogen- und Knieschützern.

Vor dem Präsidentenpalast stehen 20 Polizisten. Die meisten in Kampfmontur.

Rund um den Hram Svetog Save sind Straßen gesperrt.

An weiteren Straßenecken im Stadtzentrum Polizisten, meist in kleinen Einheiten, meist in Demoausrüstung.

Und es spielt nicht einmal Crvena Zvezda gegen Partizan.

Die Mannschaft hat den Meisterschaftstitel gewonnen. Die Fans feierten ausgelassen.

Nur, das allein hätte nicht gereicht, die Polizei so flächendeckend so einschüchternd aufzutreten.

Es ist das Finale der Euroleague Basketball, das dieses Wochenende in der serbischen Hauptstadt stattfindet.

„Ich hätte nie geglaubt, dass Basketball ein Sport ist, bei dem es Hooligans gibt“, sagt mein lieber Freund Pera. Ich hab das auch noch nie gehört.

Man nimmt Basketball hierzulande sehr ernst

Vielleicht liegt das daran, dass die beiden Fußballklubs einige gewalttätige Fans rausgeworfen haben. Die haben sich möglicherweise ein anderes Betätigungsfeld gesucht.

Den Leuten geht es ja nicht um den Sport. Für sie geht es darum, Gemeinschaft in Gewalt zu erleben.

Ich kann für diese These keine Belege vorlegen. Freilich habe ich Indizien, die dafür sprechen.

Basketball ist im ehemaligen Jugoslawien sehr beliebt, vor allem in Serbien. Man nimmt den Sport hier sehr ernst.

Crvena Zvezda hat nicht nur die legendäre und mittlerweile berüchtigte Fußballmannschaft.

Der Klub hat auch eine Basketballmannschaft.

Die Polizei befürchtete Ausschreitungen. Und reagierte mit einem massiven und sicher übertriebenen Einsatz.

(Ein bisschen polizeistaatlich geht es hier schon zu, ganz allgemein gesprochen.)

Aber grundlos wird das nicht gewesen sein.

Was kommt als nächstes? Schachklub-Ultras?

Wenn es bei Basketballfans ein Hooligan-Problem gibt, fragt man sich, was als nächstes kommt.

Schachklub-Ultras?

Schach ist ein Sport, den man im ehemaligen Jugoslawien sehr ernst nimmt.

Wer jemals erlebt hat, wie hitzig Spieler und Zuschauer bei einer Partie Straßenschach in Sarajevo reagieren können – und das wird in Beograd nicht anders sein -, weiß: So abwegig ist der Gedanke nicht, dass Differenzen nicht immer friedlich beigelegt werden.

Eine Struktur für rivalisierende Fans gebe es ja auch: Allein in Beograd gibt’s Dutzende Schachklubs.

Den Arbeiterschachklub. Den Schachklub „König“. (Viel gegensätzlicher geht kaum.) Den Schachklub Beograd. Den Schachklub Ušće.

Und, man hat es vermutet: Den Schachklub Crvena Zvezda.

Da kann man nur hoffen, dass in nächster Zeit kein größeres internationales Schachturnier in der serbischen Hauptstadt ausgetragen wird.

Ich ersuche um Verständnis, dass ich keine Fotos vom Polizeieinsatz am Samstagabend anbieten kann. Es war mir aus verschiedenen Gründen nicht möglich, in der Situation zu fotografieren.