Kako sam vidio Srpsku Revoluciju

Vor zehn Tagen hat die Serbische Revolution mit dem Wahlsieg der Studentenliste einen entscheidenden Erfolg verbucht. Ich habe sie über ihre beinahe zwei Jahre lang beobachtet und begleitet. Und dokumentiert, was ich gesehen habe. Ein Fotoessay.

Revolution ist, wenn die unten nicht mehr wollen, und die oben nicht mehr können.

Wann war dieser Punkt in Serbien erreicht, nachdem am 1. November 2024 das frisch renovierte Vordach des frisch renovierten Bahnhofs von Novi Sad einstürzte und 16 Menschen erschlug?

Als das Regime versuchte, die ersten Studentenproteste niederzuknüppeln?

Nachdem sich die Studenten organisiert hatten und an Uni um Uni in den Streik traten? Begannen, Tag für Tag wichtige Straßenkreuzungen zu blockieren? Pünktlich um 11:52, dem Zeitpunkt der Katastrophe von Novi Sad. Genau 15 Minuten lang. Für die damals 15 Opfer.

(Vukašin Crnčević starb als 16. Opfer am 21. März 2026. Balkan Stories berichtete damals als erstes Medium auf Deutsch.)

Mit den ersten Großprotesten im Jänner 2025?

Damals wurde klar: Es ist Revolution.

(Als Revolution hat Balkan Stories die studentengeführten Massenproteste in Serbien erstmals am 30. Jänner 2025 bezeichnet.)

Auf etwas kleinerer Ebene sah man das auch in Wien. Bei den Demos vor der serbischen Botschaft waren deutlich mehr Menschen als sonst bei den Kundgebungen der Opposition gegen das serbische Regime in der Wiener Dijaspora.

Die wurden bunter, nicht kleiner. Hier der 1. März 2025.

Zwei Wochen später standen alleine in Beograd 300.000 Menschen gegen Aleksandar Vučić und seine SNS auf der Straße. Kramar und ich fuhren runter. Und sahen eine breite, hoffnungsvolle, und manchmal widersprüchliche Volksbewegung.

(Meine Reportage könnt ihr hier nachlesen. Kramar hat einen Fotoessay gemacht, den ihr hier sehen könnt.)

Wann wusste ich, dass es vorbei ist für das serbische Regime?

Es gibt diesen Punkt, an dem du in solchen Situationen weißt: Es gibt kein Zurück mehr für das Regime. Es ist vorbei.

Wusste ich das am 15. März?

Ich kann es nicht mit Sicherheit beantworten.

Sehr sicher war ich mir ungefähr zwei Monate später. In Novi Sad schien die ganze Bevölkerung gegen das Regime aufzustehen. Mit Trauerbekundungen vor dem Bahnhof, mit Stickern und Graffiti in der ganzen Stadt, mit Pumpaj-rufen auf Parties, mit Spendenboxen für die streikenden Studenten in Innenstadtlokalen.

Und erst Beograd. Da blockierten sie gerade den Haupteingang des Hauptsitzes der serbischen Regierung. Nebst den täglichen Straßenblockaden um 11:52.

Im Sommer weiteten die Studenten ihren Protest aus. In Gruppen zogen sie von Dorf zu Dorf. Und nach Wien. Informierten, diskutierten, sammelten Spenden, tanzten die Revolution.

Im Winter schien es ein bisschen ruhiger. Die Zeichen der Revolution sah man zumindest in Beograd zumindest auch, wenn man nicht so genau schaute. Und meistens schienen sie frisch.

Die versuchte Konterrevolution

Im Frühling und Frühsommer 2026 versuchte das Regime, eine Konterrevolution anzustoßen. Im ganzen Land schmähten Graffiti die Studenten. Gesprüht von Ćaci zumeist. Die Studenten hielten dagegen. Siehe Beograd im Mai.

Parallel wagte sich die SNS erstmals seit Beginn der Studentenproteste Ende 2024 wieder flächendeckend an die Öffentlichkeit. Etwa hier in Novi Sad. Der Erfolg war überschaubar. Nicht zuletzt wegen des Mahnmals, das an die 16 Toten vom 1. November 2024 erinnerte.

Einzig in einer Kleinstadt wie Ub schien die SNS mit Massen an Graffiti und Stickern den öffentlichen Raum zurückerobert zu haben.

In Ub muss die Partei außergewöhnlich gut organisiert gewesen sein. Oder es gab sonstige außergewöhnliche Umstände, die es ihr erlaubten, wieder den öffentlichen Raum zu markieren.

Wenn du nicht mal Mali Zvornik kontrollieren kannst, was kontrollierst du noch?

Es gibt einen Grund, warum Mali Zvornik Mali Zvornik heißt. Selbst dort gab und gibt es ein Widerstandsnest. Das vereitelte die reibungslose Rückkehr der SNS an die Öffentlichkeit.

Spätestens da war klar: Die Neuwahl, auf die die SNS offensichtlich hinarbeitete, ist für das serbische Regime alles andere als gewonnen. Der Versuch, die Revolution auszusitzen, hat nicht funktioniert.

Am 25. Oktober bekamen die SNS und Aleksandar Vučić die Rechnung präsentiert. Für Novi Sad. Für Korruption. Für 14 Jahre Machtmissbrauch.

Die neue Regierung aus Vertretern der Studentenliste steht vor der Aufgabe, die Serbische Revolution fortzusetzen. Es wird nicht einfach.

Mehr über die Serbische Revolution könnt ihr im Archiv von Balkan Stories nachlesen.

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Trotzdem kostet dieser Blog Geld. Die Reisen, die ich für für diesen Fotoessay und die zugrundeliegenden Reportagen unternommen habe, habe ich etwa aus eigener Tasche bezahlt. Wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das auf Buy Me A Coffee tun.

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