Der Artikel zu den antifaschistischen Großprotesten in Kroatien auf Balkan Stories hat auf der Social Media-Plattform Threads ungewöhnlich starke Reaktionen ausgelöst. Etliche User gaben sich unverhohlen als Faschisten zu erkennen.
Wenn es eines Belegs bedurfte hätte, wie verbreitet der Alltagsfaschismus in Kroatien ist, gegen den am Sonntag Antifaschisten in mehreren kroatischen Städten demonstrierten, liefert ihn ein Posting von Balkan Stories auf der Social Media-Plattform Threads.
Der junge Account dieses Blogs hat auf der Plattform gezählt 12 Follower.
Nicht weniger als zehn User der Plattform äußerten sich feindselig über den Balkan Stories-Bericht über die antifaschistischen Demonstrationen in Kroatien.
Einige gaben sich unverhohlen als Faschisten zu erkennen.
Ustaša-Wappen- und Parolen, ein erfundener Völkermord
Ein User, der sich als Jozo Marković* bezeichnet, benutzte in seinen Antwortbildern im Thread unter anderem auch den Slogan Za Dom Spremni und ein eindeutig erkennbares Ustaša-Wappen. Beides ist in Kroatien und in Österreich strafbar.




Ein anderer fantasierte ganz nach Art der Neo-Ustaša einen kommunistischen Völkermord an den Kroaten herbei. Ein weiterer wollte mit einem gefälschten Churchill-Zitat moderne Antifaschisten verunglimpfen.
Dass das mit „die neuen Faschisten werden die Antifaschisten sein“ ein Zitat ist, das Neonazis und Neofaschisten aller Art dem italienischen Schriftsteller Ignazio Silone seit Jahrzehnten unterjubeln, und nicht Winston Churchill, zeigt, dass der User, der sich als Željko Damjanović* bezeichnet, nicht ganz auf der Höhe der plumpen Propaganda seiner Geistesgenossen ist.
Dazwischen üble Beschimpfungen gegen Kroatiens Antifaschisten („Ein Haufen Scheiße“, „Faschisten, die Antifaschisten spielen“), ein User, der offenkundig zur Gewalt anstacheln will („Streichholz und Benzinkanister“) und ein User, der so seriös auftreten will, wie es ihm seine Geisteshaltung eben erlaubt.
Eine erklärungsbedürftige Definition von Patriotismus
„Welche alltagfaschismus? Patriotismus nennt man heute Faschismus?! 😡 Und wozu protestieren? Liebe zu kommunistische Verbrechen? 😡“, schreibt einer, der sich auf Threads Dragan Dogić* nennt.


Für den Herrn ist es offenbar Patriotismus, wenn schwarz maskierte Männer eine Kulturveranstaltung ethnischer Serben in Split stören und die Teilnehmer bedrohen.
Vielleicht ist es für ihn auch Patriotismus, wenn ein Mob in Split von der Polizei fordert, dass sie die schwarz maskierten Männer freilässt, die nach dem Übergriff auf die Tage der Serbischen Kultur verhaftet worden waren.
Der Übergriff von Split war der endgültige Auslöser für die antifaschistischen Demonstrationen vom Sonntag.
Vielleicht waren auch die Ustaša für diesen Herren Patrioten, als sie von NS-Deutschlands Gnaden eine faschistische Terrorherrschaft im so genannten Unabhängigen Staat Kroatien errichteten und hunderttausende Serben, Juden und Roma ermordeten.
Die Wortmeldung des Betreffenden lässt die Vermutung zu, dass er das so sehen könnte. Bei einigen anderen in dem Thread muss man nicht mehr großartig vermuten. Wer wie „Rope5890“ die Racheaktionen der Partisanen gegen die Ustaša für einen Völkermord hält, verharmlost Völkermord, erklärt Täter zu Opfern, und gibt sich offen als Faschist zu erkennen.
Wer Ustaša-Wappen postet, sowieso.
Der Inhalt überrascht nicht. Das Ausmaß tut es.
Inhaltlich sind diese Wortmeldungen keine Überraschung.
Die Kollegen der Zagreber Wochenzeitschrift Novosti etwa kriegen jeden Tag ähnliche Reaktionen herein. Novosti – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen serbischen Tageszeitung – ist dezidiert antinationalistisch und antifaschistisch. Sie ist das offizielle Organ der Vertretung der ethnischen Serben in Kroatien.
Was an den Reaktionen auf das Posting von Balkan Stories überrascht, ist, wie viele es sind.
Gemessen an der sehr eingeschränkten Reichweite des Accounts auf der Plattform Threads sind zehn User mit negativen Reaktionen unvorstellbar viele. Noch nie hat in so kurzer Zeit ein Social Media-Posting von Balkan Stories so viele feindselige Reaktionen hervorgerufen.
Nicht auszumalen, wie es Accounts mit ernstzunehmender Reichweite geht.
Das spricht nicht nur dafür, dass Kroatiens Neofaschisten und ihre Sympathisanten leicht erregbare Zeitgenossen sind. Es zeigt auch, dass sie keinerlei Genierer mehr haben, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Und es deutet auf ein Minimum an Organisiertheit hin.
Das Ziel ist offensichtlich, das Gegenüber mürbe zu machen oder einzuschüchtern.
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Auch in Kroatien.
Wundert es einen, dass Kroatiens Antifaschisten am Sonntag auf die Straße gegangen sind?
*Balkan Stories gibt hier die Namen wieder, die die User auf Threads als ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Klarnamen hinterlegt haben, und die öffentlich zu diesem Zeitpunkt in ihren Profilen sichtbar waren. Inwiefern diese Namen den tatsächlichen Namen entsprechen, entzieht sich jeglicher Überprüfbarkeit.
Titelfoto: Ustaša-Logos auf einem Spielplatz im Stadtzentrum von Zagreb.
So unterstützt ihr meine Arbeit
Wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das ab sofort auf Buy Me A Coffee tun.
Und wenn euch dieser Beitrag gefällt, bitte teilt ihn auf euren sozialen Netzwerken, lasst ein Like da oder kommentiert.
Entdecke mehr von balkan stories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
