Gastarbajterska priča. Dijanas kleiner Schmuggel

Teil 2 der Serie Gastarbajterska priča auf Balkan Stories. Diesmal schmuggelt Dijana Schweinefleisch – allerdings nicht in die Richtung, die man erwarten würde.

„So billig kriegst du diese Qualität bei uns nicht“, erzählt mir Dijana. „Drum hab ich das beim Radatz gekauft“.

Das – das sind 250 Kilo Schweinefleisch.

Es ist kurz vor dem orthodoxen Weihnachtsfest, und Dijana und ihr Mann Goran laden das eingeschweißte Fleisch kistenweise in einen Klein-Lkw.

Das Klein-Lkw-Team bringt allerlei Krimskrams nach unten, der in den vergangenen Monaten angefallen ist, und den die Verwandten brauchen können.

Und 250 Kilo Schweinefleisch.

„Bei uns ist das Fleisch mittlerweile so teuer geworden, teuer als hier“, sagt Dijana. „Und gute Qualität sowieso. Das kann sich keiner mehr leisten.“

Dijana und Goran fahren mit ihrem Privatauto hinterher ins ländliche Serbien. Dort werden sie das orthodoxe Weihnachtsfest feiern.

Es gibt da so kleine rechtliche Hürden

„Du weißt schon, dass das ein bisserl viel ist“, spreche ich Dijana auf die schweinerne Fracht an. „Ich glaub nicht, dass du Frischfleisch so einfach über die Grenze bringen kannst, und schon gar nicht 250 Kilo.“

„Wirklich nicht? Ach, egal. Es zahlt sich aus“, sagt Dijana und schaut mich selbstbewusst an.

Eine kurze Recherche zeigt: Fleischprodukte darf man als Privatmensch nach Serbien nur einführen, wenn sie originalverpackt sind. Und da nur 1 Kilo pro Reisendem.

Von Frischfleisch keine Rede.

In die umgekehrte Richtung wird’s noch komplizierter. Die EU ist etwas heikel mit Fleisch- oder Milchprodukten von außerhalb.

Falls an der Grenze irgendwen irgendwas kümmert – und die serbische Grenzpolizei ist relativ streng -. könnte man auch argumentieren, dass die Kühlkette nicht eingehalten wurde. Auch wenn die tatsächliche Gesundheitsgefahr überschaubar sein dürfte.

Es ist ausnahmsweise kalt in diesen späten Dezembertagen. Sofern die den Frachtraum des Klein-Lkw nicht heizen, sollte das Fleisch die Reise problemlos überdauern.

Was Dijana und Goran mit dem Fleisch vorhaben

„Was machst denn eigentlich mit so viel Fleisch?“

„Na, das werden wir über die Feiertage räuchern. Für Speck, für Schinken und zu Würsten werden wir auch was verarbeiten“, sagt Goran.

„Und das verschenkst dann unter deinen Verwandten unten“, frage ich. Goran hat eine große Familie.

„Ein bisschen. Aber den Rest, den bringen wir dann wieder rauf. Immer ein paar Kilo pro Fahrt. Was wir halt da brauchen“, sagt Dijana.

„Aber ihr wisst schon, dass Fleischprodukte nicht so einfach in die EU eingeführt werden dürfen?“

Die Kroaten nehmen an der Grenze den Bosniern sogar den Burek weg. Genauso wie das Joghurt. Dass man für die Reise sehr wohl ein bisschen Proviant mithaben darf, ist den Zöllnern einfach wurscht.

Mit den Kroaten werden es Goran und Dijana auch zu tun haben auf ihrer Rückfahrt. Das ist für sie die direkteste Route.

Goran lächelt. „Ach, wir schmuggeln doch keine Drogen. Und ich kenn die ganzen kleinen Grenzübergänge“.

Na dann.

Es gibt so Momente, wo man sich fragt, warum man sich überhaupt um irgendetwas pfeift.

Goran ruft mich an

Der Klein-Lkw fährt weg.

Dijana und Goran steigen in ihr vollgepacktes Auto, und fahren hinterher.

Sie sind gute Bekannte. Ich hoffe, dass es gut geht.

Nicht, dass ich die Aktion für sonderlich gescheit halte. Aber wenn sie erwischt werden, sind gleich ein paar tausend Euro weg. Das wünscht man Menschen nicht, die man gern hat.

Mitte Februar, an einem der wärmeren Tage, ruft mich Goran an. „Treffen wir uns in meinem Stammlokal“, sagt er. „Ich hab was für dich“.

Es ist gerade grenzwertig Schanigartenwetter.

Goran sitzt entspannt bei einem Bier, als ich komme.

„Wie ist’s gelaufen?“, frag ich.

Goran macht eine wegwerfende Handbewegung. „Keine Probleme. Es war halt viel Arbeit, über die Feiertage. Wir haben das wirklich alles verarbeitet“.

Goran greift in seinen Rucksack und zieht ein Sackerl raus. Er gibt es mir.

„Das ist für dich“, sagt er freudestrahlend.

Es ist eine ljuta kobasica. Eine scharfe Wurst. Sie riecht herrlich. Die Paprika sieht man ihr an. Sie fühlt sich sehr saftig an. Es ist sicher ein halbes Kilo.

„50 Kilo haben wir am Rückweg mitgenommen. Das meiste Speck und Schinken. Und eben auch ein paar Kilo Wurst. Sag mir dann, wie sie schmeckt.“

„Hvala lijepo“, sag ich. „Und ich geb dir sicher Bescheid.“

Was soll man sagen: Die kobasica war so herrlich, wie sie aussah.

Die Serie Gastarbajterska priča auf Balkan Stories erzählt Geschichten, die balkanische Einwanderer erster Generation erlebt haben oder erzählen.

Die Namen sind verfremdet.

Zum ersten Teil der Serie geht es hier.

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Ein Gedanke zu “Gastarbajterska priča. Dijanas kleiner Schmuggel

  1. Das kann ich nur bestätigen. Es gilt auch für Albanien. Warum ich mir überhaupt so viele Gedanken mache, frage ich mich auch oft.

    Einmal nahmen wir ein selbst gemachtes Früchtebrot (Gletzn auf Bayerisch) meiner Schwiegermutter im Flugzeug mit nach Hause. Ich fühlte mich wie eine Schwerverbrecherin, als wir beim deutschen Zoll vorbeigingen, der uns nicht kontrollierte. Daheim angekommen fehlte ein Stück. Fein säuberlich mit dem Messer abgetrennt. Der albanische Zoll testete das Brot wohl.

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