In Konjic in der Hercegovina haben Unbekannte mindestens sieben junge Hunde vergiftet. Bilder und Videos eines der sterbenden Hunde schockieren die bosnische Öffentlichkeit. Nach Angaben örtlicher Tierschutzaktivisten haben Hundehasser vergiftete Köder im Zentrum der Fremdenverkehrsstadt ausgestreut.
Ein großer, grauer Hund liegt auf der nassen Straße. Seine Gliedmaßen zucken unkontrollierbar. Er blickt verstört auf seine Beine, über die er keine Kontrolle mehr hat. Die Zuckungen werden immer schwächer.
Dieses Video aus Konjic in der nördlichen Hercegovina verstört die Menschen im ganzen Land.
Der Hund ist offenbar vergiftet worden. „Wir gehen davon aus, dass es Nervengift war“, sagt die Konjicer Tierschutzaktivistin Ana gegenüber Balkan Stories. „Wahrscheinlich etwas, das erst nach 20 oder 30 Minuten wirkt. Die Hunde sind einen furchtbaren Tod gestorben“.
Balkan Stories zeigt das Video des Todeskampfes des Tieres bewusst nicht.
Nach Angaben lokaler Tierschutzaktivisten sind am Sonntag oder Montag mindestens sieben Hunde Opfer einer Massenvergiftungsaktion geworden. Zahlreiche bosnische Medien berichteten in den vergangenen Tagen.
Gift in belebter Gegend in der Fremdenverkehrsstadt ausgestreut
„Es waren alles Straßenhunde, ungefähr ein Jahr alt. Wir hatten sie impfen und sterilisieren lassen“, schildert Ana. „Wir haben sie großgezogen, weil ihre Mutter keine Milch hatte.“
Die vergifteten Köder dürften in der Gegend der Alten Brücke und des bekannten Restaurant Han ausgebracht worden sein. Dort lebten auch die Hunde.
Die Gegend an der Neretva ist bei Fischern, Spaziergängern und Touristen sehr beliebt. Das Gift gefährdete hier nicht nur die jungen Straßenhunde sondern auch Kinder und Haustiere. Den Hundehassern scheint das egal gewesen zu sein.
Einer der verendeten Hunde ist für eine Autopsie zu einem Tierarzt gebracht worden. Sie soll klären, welches Hift ihn getötet hat. Dieser Schritt erfolgte erst auf Druck von Tierschutzaktivisten, schildert Ana. „Die Polizei hat uns zuerst gesagt, wir sollen sie begraben. Erst nachdem ich darauf bestanden habe, haben sie den Hund zur Autopsie mitgenommen.“
Um die Verbrechen aufzuklären, wertet die Polizei aktuell die Überwachungskameras der Gegend aus.
Gewalt gegen Straßenhunde ist in Konjic Alltag
Daran, dass die Vergifter Hundehasser aus Konjic sind, besteht kaum ein Zweifel. Immer wieder bewerfen Menschen aus der Stadt Straßenhunde und Katzen mit Steinen oder gar Feuerwerkskörpern.
Die Situation dürfte in den vergangenen Monaten eskaliert sein, als die Zahl der Straßenhunde in der hercegovinischen Stadt offenbar stieg, wie lokale Medienberichte nahelegen. Die meisten der Straßenhunde waren freilich gekennzeichnet, geimpft und sterilisiert, wie Ana schildert.
Nicht auszuschließen ist, dass es in der Stadt weitere Giftköder gibt. Örtliche Medien rufen die Bewohner zur Vorsicht auf.
Vorsichtig sind vorerst auch örtliche Tierschutzaktivisten. Ana, mit der Balkan Stories für diesen Beitrag Kontakt aufgenommen hat, bittet darum, ihren vollen Namen nicht zu nennen. „Ich fürchte um meine Sicherheit“, sagt sie.
Bleibt zu hoffen, dass sich das ändert, sollte die Polizei die Hundevergifter ausforschen. Und vielleicht sorgt auch der landesweite Schock über die Bilder der vergifteten Hunde für ein Umdenken.
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