Sie kann mit Recht als Fluss der Liebe gelten: Die Raška in Novi Pazar. An kaum einem Flussbett finden sich so viele Liebesbotschaften wie hier.

„Zerina, ich liebe dich“, hat ein vermutlich Jugendlicher knapp einen halben Meter oberhalb des Wasserpegels der Raška gesprayt oder mit einem dicken Stift geschrieben.

Er musste sich ziemlich verrenken, um das hinzubekommen.

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Graffiti wie dieses gibt es viele entlang des Flussbetts unweit des berühmten Hotel Vrbak im Stadtzentrum von Novi Pazar.

Liebes-Graffiti sind nichts Ungewöhnliches. Weder am Balkan noch sonst auf der Welt.

In Beograd findet man beinahe an jeder zweiten Hausmauer welche. In Sarajevo sind etwas weniger – dafür hängt man gerne Transparente mit Liebesbotschaften über die „Eiffel-Brücke“ über die Miljacka.

In der Hauptstadt des Sandžak sprüht man sie auf die Kaimauern der Raška.

Das ist ein ungewöhnlich schwer zugänglicher Ort – auch für eine allfällige Reinigung. Manche Graffiti sind schon länger hier.

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Auf der Hut vor der Polizei

Für die Pazarer Jugendlichen ist das oft auch eine Mutprobe.

„Wir machen das immer in der Nacht“, erzählt ein junger Mann Balkan Stories. „Ich hab das auch vor zwei Jahren gemacht, und hab so meiner Angebeteten meine Liebe öffentlich gestanden. Meine Freunde haben aufgepasst, ob die Polizei kommt. Das kann unangenehm werden.“

Heute ist er mit seiner Angebeteten verheiratet.

Die sprichwörtliche Konservativität der Sandžak-Bewohner hin oder her, nicht immer geht die Sache so endgültig aus.

„Ein Bekannter hat nach ein paar Monaten dazu geschrieben: Ich hab’s mir anders überlegt“, grinst die Quelle von Balkan Stories.

Diese Botschaft hat Balkan Stories leider nicht gefunden.

Dieser Beitrag ist auch auf An Englishman in The Balkans erschienen.