Balkan Stories wird in den nächsten Wochen etwas leiser treten. Der Blog befindet sich in einer schwereren Krise. Die bedingt zumindest eine kreative Pause.
Nach einer starken Aufwärtsbewegung zu Beginn des Jahres befindet sich Balkan Stories seit einigen Monaten in der Krise. Vor allem hat Facebook wieder mal seinen Algorithmus geändert. Das hat die Reichweite des größten deutschsprachigen Balkan-Blogs erheblich reduziert.
Mit etlichen meiner neueren Artikel erreiche ich teilweise nur mehr 50 Leser.
Selbst bei Themen, die noch im Vorjahr größere Leserzahlen hatten, sind es heute kaum 100 Menschen. Siehe etwa den Beitrag zum 30. Jahrestags des Völkermords von Srebenica.
Wäre das ein Einzelfall, würde ich sagen: OK, die Geschichte selbst hat nicht den Massengeschmack getroffen. Kann auch bei einem Aufregerthema wie Srebrenica vorkommen.
Nur, dann vergleiche ich das etwa mit dieser halbwegs erfolgreichen Reportage aus dem Vorjahr über den Alltagsfaschismus in Mostar.
Die erreichte knapp 500 Menschen – mit insgesamt nur 17 Reaktionen auf Facebook.
Der jüngste Artikel zu Srebrenica erhielt 44 Interaktionen auf Facebook, und erreichte nur etwas mehr als ein Fünftel der Menschen.
Gut, die Mostarer Reportage wird immer wieder mal auch auf Google aufgerufen. Dennoch wird das Missverhältnis hier deutlich.
Das ist seit einigen Monaten klar zu beobachten.
Wie Meta kleine Medien an den Rand drängt
Das wird vor allem ernüchternd, wenn in einigen Geschichten buchstäblich mehrere Tage Arbeit stecken. Siehe etwa diese Reportage und diese Reportage über den – damaligen – Stand der Massenproteste in Serbien.
Ohne lange herumzulamentieren: Meta, der Eigentümerkonzern von Facebook und Instagram, macht Links auf externe Inhalte immer schwerer sichtbar. Man will die User möglichst lange im Meta-Universum halten und an ihnen verdienen. Kleinere und nicht-kommerzielle Medien wie Balkan Stories trifft diese Politik überdurchschnittlich hart.
Es gibt zwei mögliche Gegenstrategien: Geld ausgeben, um auf Facebook Werbung für meine Inhalte zu machen.
Balkan Stories verdient monatlich etwa 30 Euro an Spenden und hat neben meinem Einkommen aus meinem Brotberuf keine Einnahmequellen.
Halbwegs ausreichend Werbung auf Facebook zu schalten, würde mehr kosten als die Spenden einbringen. Es ist nicht gerade so, dass die Spenden meine sonstigen Kosten decken.
Die zweite mögliche Gegenstrategie ist, viel mehr Zeit für Aktivitäten auf Social Media aufzubringen, und die Inhalte hier Social Media-gerecht aufzubereiten. Beides würde zulasten der journalistischen Qualität gehen – zumindest so lange, wie ich das alleine machen muss.
Auch hier kein langes Herumlamentieren. Aber: Entweder eine differenzierte Reportage oder eine Facebook-gerechte. Beides zugleich geht nicht. Als Beweis sei auf den allgemeinen Qualitätsverlust im Journalismus hingewiesen.
Auch einige persönliche Enttäuschungen
Was die Krise schwieriger macht, ist, dass mich in den vergangenen Monaten mehrere Freunde und Medien im Stich gelassen haben, die ich um Hilfe und Unterstützung gebeten hatte, und die mit sehr wenig Aufwand helfen hätten können. In den meisten Fällen habe ich mit den Gemeinten schon teils jahrelang kooperiert – meist weitaus mehr zu deren Nutzen als zu meinem.
Offen gestanden sind hier auch einige sehr tiefe persönliche Enttäuschungen dabei. Die haben sich vor allem in den vergangenen Wochen angehäuft. Die muss ich erst verdauen.
Das alles ist in Summe gelinde gesagt nicht sehr motivierend. Es fehlt mir im Moment die Kraft, neue Geschichten in der gewohnten Häufigkeit online zu stellen. Ich brauche eine Pause, um mir klarzuwerden, wie ich mit Balkan Stories weitermache – und möglicherweise, ob ich weitermache.
Bitte seid nicht enttäuscht, wenn ihr hier in den nächsten Wochen weniger Neues findet als gewohnt.
Ich hoffe auf euer Verständnis.
Titelfoto: Almir Panjeta
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Deine Arbeit und dein Herzblut, welches du in deinen Blog steckst, bewundere ich sehr, lieber Chris. Man liest es aus jeder Zeile. Es wäre schade, wenn du ganz aufhörst zu schreiben, denn dein Blog bereichert die Blogger-Landschaft.
Genieß deine Pause! Manchmal kommen Hilfen aus den entlegensten Ecken. Viele Grüße nach Wien, Eva
Erhol Dich gut. Manchmal braucht man eben eine Pause. Ging mir auch schon so.
Ich hatte übrigens das selbe Problem mit FB. Vorher täglich 500 Klicks, bei besonders gelungenen Beiträgen auch mal über 1 k. Dann plötzlich nur noch drei bis fünf. Reichweite zurückkaufen wollte und konnte ich nicht. Es hilft nur eines: die Klickzahlen von FB erstmal ignorieren. Mittelfristig lässt sich Reichweite über Stammleser und Google zurückgewinnen. Ist halt sehr, sehr mühsam.
Bitte Weitermachen!!!!Mit HCL Verse v
Ich etwa schreibe aus Spaß an der Freude meine Gedichte und hab seit jeher zwischen 3 und 5 Leser. Dem Künstler kommt es auf das kreative Moment an und nicht auf die Anzahl der Leser. Wer sich von der Anzahl der Klicks abhängig macht, der läuft auch Gefahr, irgendwelchen Tendenzen nachzulaufen, um die Leser bei Laune zu halten. Man schreibt dann nicht mehr für sich, sondern für die Masse und das halte ich für gefährlich. Aber du bittest ja auch um Spenden. Daran merkt man schon, woher der Wind weht. Das Rauchen würd ich mir abgewöhnen oder zumindest keine Tabakwerbung durch Selfies machen. Ich hatte vor drei Jahren Zungenkrebs und eine schwere OP durchlitten. Seitdem rauche ich nicht mehr und es geht auch – entgegen meiner Vermutung – gut. Findest du das männlich, immer mit der Fluppe im Gesicht diese Fotos. Siehst dich wohl als so eine Art Hemingway im Balkan. Durchs wilde Kurdistan. Nicht mal Kara Ben Nemsi hatte geraucht ..
Schätze mal, es wird wiedermal ein gemeinsames Bier fällig! Solange es in den Gastgärten wettermäßig noch aushaltbar ist.
Če
Ja, schauen wir, ob wir das vor meinem Urlaub zusammenbringen.