Nirgendwo trifft man in Beograd so viele Wartende wie am Trg Republike, dem Platz der Republik. Hier ist der beliebteste Treffpunkt im Stadtzentrum.

„Wo treffen wir uns?“

„Kod Konja“. „Beim Pferd“

Das ist die gängigste Verabredung für alle Beograderinnen und Beograder, die irgendwie in Zentrumsnähe wohnen und keine fixen Pläne haben.

Das Pferd, das ist das von Fürst Mihailo Obrenović.

Es steht vor dem Nationalmuseum und gegenüber dem Nationaltheater. 20 Meter weiter ist eine der zentralen Bus- und Straßenbahnhaltestellen der Stadt.

Viel zentraler geht nicht.

Es mag merkwürdig sein, dass der Treffpunkt nach dem Pferd benannt und nicht nach dem Fürst.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Jargon der serbischen Hauptstadt wie der Jargon der meisten Hauptstädte dieser Welt zu Wortwitz, Sarkasmus und Respektlosigkeit neigt.

Wie es so ist, nicht nur in diesem Teil der Welt, sind nicht alle Verabredeten pünktlich.

Wenngleich, in diesem Teil der Welt sind sie unpünktlicher als in nördlicheren Gefilden.

Da muss man eben warten.

Manche haben sich auch schon gefunden, scheint es.

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Egal, was man über die hiesige Pünktlichkeit sagen mag, im Vergleich zu manch öffentlichem Bauplan ist sie vorbildlich.

Das Nationalmuseum hinter dem Pferd hat erst am 28. Juni wiedereröffnet, dem serbischen Nationalfeiertag Vidovdan.

Auf manches muss man lange warten

15 Jahre mussten die Serbinnen und Serben auf diesen Tag warten. Immer wieder waren Eröffnungstermine versprochen und nicht eingehalten worden.

Selbst als ich Mitte Mai in der Stadt war, glaubten einige nicht daran, dass ihr Warten ein Ende haben würde.

Die Ankündigungsschilder am Platz seien Rosstäuschung, beschieden mir die gelernten Serben mit wohlbegründetem Pessimismus.

Ausnahmsweise lagen sie falsch.

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Die 15 Jahre sind freilich nichts verglichen mit dem, auf das sich die Autorin dieser Zeilen einzustellen hat.

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Sie will keine Rose. Sie will die Revolution.

So hehr das Anliegen sein mag – die Widerstände sind groß. Es gibt immer jemanden, der den Status quo bis zum Letzten verteidigen wird.

Und es finden sich immer weniger Menschen, die für eine bessere Welt kämpfen wollen.

Aber vielleicht findet auch dieses Warten einmal ein Ende.