Smrt je moja ljubav/Sead Đulić

Das Mostarer Jugendtheater ist gerettet

Das weltweit bekannte Mostarer Jugendtheater ist gerettet. Nachdem es vor drei Wochen aus finanziellen Gründen vor der unmittelbaren Schließung gestanden war, sagte die Stadt Mostar finanzielle Hilfe zu – das erste Mal seit 14 Jahren.

Es gibt kleine Sensationen, die für viele Menschen die Welt bedeuten,

Dass die Stadt Mostar das Mostarski Teatar Mladih (MTM), das Mostarer Jugendtheater, erstmals seit 14 Jahren finanziell unterstützen wird, ist so eine.

Eine in letzter Sekunde, obendrein.

In den Tagen, bevor MTM-Leiter Sead Đulić mit dem Mostarer Gemeinderatsvorsitzenden Đani Rahimić verhandeln konnte, hatte man bei Kerzenschein proben müssen. Dem Theater war der Strom abgedreht worden. Die Delogierung schien jeden Tag bevorzustehen, Die Einrichtung schuldete Vermieter und Stromanbieter insgesamt etwa 15.000 Mark, das sind 7.500 Euro.

Die dramatische Situation hatte sich schon Mitte Jänner abgezeichnet. (Balkan Stories berichtete.)

„Die Frist ist abgelaufen. Eigentlich müssten wir schon raus. Aber ich denke, dass sie uns noch zehn Tage tolerieren werden“, sagte Sead damals gegenüber Balkan Stories.

Ein Spendenaufruf brachte innerhalb weniger Tage immerhin 5.000 Mark an. Die erlaubten es, das Ende etwas hinauszuzögern.

Mediale Aufmerksamkeit und Unterstützung aus Kroatien brachten Durchbruch

Dazu kam eine Reihe von Artikeln in regionalen Medien, die über die Situation des Theaters berichteten. Siehe etwa hier und hier und nicht zuletzt einen auch international relevanten Artikel der DW und diesen Beitrag auf BHRT.

Das rief auch das Zentrum für Theaterpadägogik in Zagreb auf den Plan.

In einem Offenen Brief erklärten die Verantwortlichen den politischen Entscheidungsträgern in Mostar, welche wichtige Rolle das MTM in der Dramapädagogik und im Kulturleben der Stadt spielte.

Das MTM habe international „einen außerordentlichen Ruf und außerordentliche Bedeutung erlangt“, erinnerten die kroatischen Kollegen die Mostarer Stadtpolitik daran, was sie am MTM hatten, und erinnerten an die zahlreichen Auszeichnungen, die die jungen Schauspieler des Theaters und Sead als Leiter erhalten hatten, und an umjubelte Produktionen der Bühne auf der ganzen Welt.

„Heute ist Mostar ein anerkannter und weltweit bedeutsamer Schwerpunkt der dramapädagogischen Arbeit für Frieden, Zusammenleben und Zusammenarbeit.“

Das dürfte gemeinsam mit dem öffentlichen Druck durch die mediale Aufmerksamkeit die Stadt bewegt haben, dem bei den tonangebenden nationalistischen Parteien in Mostar unbeliebten MTM unter die Arme zu greifen.

Vor 14 Jahren hatte die Stadtverwaltung jegliche Subvention gestrichen. „Wir haben den nationalistischen Vereinnahmungen seit dem Krieg widerstanden“, sagte Sead im Jänner gegenüber Balkan Stories. „Dafür wurden wir bestraft.“

Der Strom wurde wieder aufgedreht

Nicht allen Verantwortlichen in der Stadtpolitik dürfte die Situation bewusst gewesen sein. Gemeinderatsvorsitzender Đani Rahimić entschuldigte sich ausdrücklich für die Situation. Ihm täten die Probleme des MTM sehr leid, sagte er gegenüber Medien.

„Viele junge Menschen haben diese Einrichtung durchlaufen und ich bin froh, dass wir ihnen helfen können. Wir haben Gespräche initiiert, um eine Lösung für die Unterbringung dieser wertvollen Einrichtung zu finden, die sich um junge Menschen und Kinder kümmert und die Mostar daher braucht“, so Rahimić im Online-Portal mostarski.ba

Über seine Vermittlung sagte auch das Nationaltheater in Mostar seine Unterstützung zu. Für diese Einrichtung ist das MTM eine unverzichtbare Ausbildungsstelle für Nachwuchskünstler.

Auch wenn der bisherige Verhandlungsstand keine endgültige Lösung für die Probleme des MTM ist, ist zumindest vorläufig der Verbleib im Lokal auf der Ulica Maršala Tita gesichert. Auch der Strom wurde wieder aufgedreht.

Das Theater kann weiter arbeiten, und es gibt Zeit für eine nachhaltige Lösung. Das sind gute Nachrichten, wie man sie aus der Region zuletzt nur selten gehört hat.

Titelfoto: Aufführung des Stücks Smrt je moja ljubav/Foto: Sead Đulić

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