Die Schande vom Kalemegdan

Serbische Nationalisten haben Montagfrüh das Grabmal der Volkshelden am Kalemegdan in Beograd geschändet. Mit ihren Schmierereien feiern sie Völkermörder Ratko Mladić. Das Datum der Schmieraktion ist kein Zufall: Der 29. November ist Dan Republike, der Tag der Republik.

„Ratko Mladić je heroj naroda. A ne ovu“

„Ratko Mladić ist ein Held des Volkes. Nicht die.“

Serbische Nationalisten feiern einen Völkermörder, indem sie das Gedächtnis derer schänden, die zur Befreiung des jugoslawischen Volkes von Faschismus und deutscher Besatzung beitrugen.

Serbische Nationalisten ehren den Schlächter von Srebrenica, in dem sie die diffamieren, die den Völkermord an den Serben im Zweiten Weltkrieg beendeten.

Četniks für Ustaša

Zwei der hier Begrabenen, Ivo Lola Ribar und Ivan Milutinović fielen im Kampf der Partisanen gegen die deutschen Besatzer und kroatische Faschisten.

Moša Pijade leistete als Propagandachef der Tito-Partisanen herausragende Arbeit, um die Unterstützung der jugoslawischen Bevölkerung und des Auslands zu mobilisieren.

Um Srebrenica zu leugnen, verschweigen sie Jasenovac.

Četniks für Ustaša könnte man diese Aktion nennen.

Praktisch gleichzeitig haben andere Unbekannte die Eingangstür des Büros der Frauen in Schwarz, der Žene u crnom, beschmiert.

Auch hier die Botschaft „Ratko Mladić – Held“ samt der Beschuldigung, die Frauen in Schwarz würden mit den Ustaša sympathisieren.

Foto: Žene u crnom Srbija

In beiden Fällen haben die Nationalisten rote Farbe verwendet.

Ob ein weiterer Zusammenhang besteht, ist unklar.

Die Frauen in Schwarz treten seit 30 Jahren gegen serbischen Nationalismus und Kriegshetzerei auf. Sie sind eine der wenigen Organisationen in Serbien, die offen des Völkermörds in Srebrenica durch die Armee der Republika Srpska unter dem Befehl von Ratko Mladić gedenken und das Verbrechen auch als solches benennen.

Im ersten Fall wird der Völkermord der Ustaša an den bosnischen und kroatischen Serben vergessen. Im zweiten Fall wird er gegen die instrumentalisiert, die an den serbischen Völkermord an den Bosnjaken in Srebrenica erinnern.

Welch Ironie.

Anschlag auf antifaschistisches Gedenken

Das Datum ist kein Zufall.

Beide Aktionen fanden in der Nacht auf oder in den frühen Stunden des 29. November statt.

Das ist der Jahrestag der Neugründung Jugoslawiens durch die antifaschistischen Kämpfer 1943 in Jajce in Bosnien.

Bis zum Ende Jugoslawiens war der Jahrestag als Dan Republike einer der zwei höchsten Feiertage des Landes.

Millionen feiern ihn bis heute.

Auch wenn Übergriffe und Schmieraktionen gegen Antifaschisten und Antinationalisten in Serbien keine Einzelfälle sind – zwei Aktionen gegen symbolträchtige Stätten in nur einer Nacht sind eine Eskalation des offenen Nationalismus und der Leugnung von Kriegsverbrechen im Land.

Es ist ein Anschlag auf die Gedenken an den antifaschistischen Befreiungskampf der Partisanen und auf den heutigen Antifaschismus.

Wo ist der Innenminister?

Dass ein Zusammenhang mit der Aufregung rund um ein Wandgemälde zu Ehren von Ratko Mladić besteht, ist kaum von der Hand zu weisen.

Mehrere antifaschistische Aktivisten haben es besprüht oder, wie Aida Ćorović, mit Eiern beworfen. Balkan Stories hat mehrfach berichtet.

Mit einer Ausnahme war die Polizei stets schnell zur Stelle, um das noch dazu inoffizielle Wandgemälde zu schützen oder die Beschmierer festzunehmen.

Aida Ćorović war mehrere Stunden in Haft.

Auch bei einer Demonstration gegen das Schandmal stand die Polizei parat.

Das Gemälde steht unter dem persönlichen Schutz von Serbiens Innenminister Aleksandar Vulin.

Das Denkmal für die Helden im antifaschistischen Befreiungskampf und das Büro einer antifaschistischen und antinationalistischen Organisation tun das nicht.

Zu den Schmieraktionen hat Vulin bis jetzt noch keinen öffentlichen Kommentar abgegeben.

Serbien am Dan Republike 2021.

Titelfoto: (c) Marko Drobnjaković.

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