Balkan Stories ist sechs geworden. Und zum reichweitenstärksten deutschsprachigen Blog über den Balkan. Danke für eure Treue und die vielen Anregungen, Tipps, Ratschläge und noch viel mehr. Es waren spannende Zeiten. Und werden es hoffentlich bleiben.

Nie hätte ich mir gedacht, dass ich diesen Blog sechs Jahre lang betreiben werde.

Als ich angefangen habe, hatte ich genaugenommen langfristig gar nichts geplant.

Außer, möglichst viele Geschichte aus dem Alltag von Menschen aus dem Balkan zu erzählen.

Und sonst einiges, wofür es in den etablierten Medien in westlichen Ländern meist zu wenig Platz gibt.

Wie diese Reportage, die der Auslöser war, meinen eigenen Blog zu machen.

Vor allem die Probleme in Bosnien waren in den vergangenen Jahren ja eine Konstante auf Balkan Stories.

Siehe diese Reportage über den Zustand der bosnischen Nationalbibliothek oder diese Geschichte, wie das Historische Museum Bosniens versucht, ohne reguläres Budget über die Runden zu kommen.

Das alles hat eine gemeinsame Ursache: Die komplizierte Zweiteilung des Landes mit dem Daytoner Friedensvertrag.

Momentan droht dieser unhaltbare Dauerzustand, den Menschen um die Ohren zu fliegen.

Milorad Dodik, Mitglied des Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegovina, geriert sich als bosnisch-serbischer Obernationalist und betreibt offenen Separatismus, der das Land unregierbar machen könnte.

Mehr in den nächsten Tagen.

Die obersten Kultureinrichtungen des Landes sind ein Symbol für diese Misere.

Was die Menschen bewegt

Wie sehr das Wechselspiel von Nationalismus und Korruption das Leben der Menschen verschlechtert, sieht man an den Pravda-Bewegungen.

Die Morde an Dženan Memić und David Dragičević, zwei jungen Männern aus Sarajevo und Banja Luka, sind seit Jahren ungeklärt.

Es gibt in beiden Fällen Anzeichen, dass die Ermittler etwas vertuschen.

Die Familien der beiden haben die größte Protestbewegung in Bosnien seit dem Krieg ins Leben gerufen.

Immer wieder habe ich hier berichtet, siehe oben. Das führt auch dazu, dass ich mit den Protestbewegungen in regelmäßigem Kontakt bin.

Nicht selten hat Balkan Stories als einziges oder erstes deutschsprachiges Medium über neue Entwicklungen berichtet.

Hinschauen, wo es wehtut

Ebenfalls ein regelmäßiges Thema sind Flüchtlinge und die offene Gewalt, die offene Miss- und Verachtung, die offene Hetze, der sie auf der angeblich geschlossenen Balkanroute ausgesetzt sind.

So war Balkan Stories eines der ersten Medien außerhalb des Balkan, das über das Skandallager Vučjak berichtete. Mittlerweile ist es geschlossen werden.

Besonders weh tut es, wenn es um Bosnien geht. Dort waren viele Menschen selbst Flüchtlinge. Das macht sie nicht immun gegen rassistische Hetze.

Immer wieder berichte ich auch über die Menschen, die Flüchtlingen helfen.

Flüchtlinge waren nicht immer der Hetze ausgesetzt, die heute am Balkan, auch in Bosnien, genauso widerwärtig ist wie in vielen westlichen Staaten.

Luey zum Beispiel ist heute einer der beliebtesten Menschen in seiner neuen Heimatgemeinde Travnik. Die Stadt hat ihm auch einiges zu verdanken.

Geschichten, die ihr hier vor allen anderen lest

Mittlerweile tragen Leserinnen und Leser auch aktuelle Geschichten an mich heran, die in ihren alten Heimatländern für Aufsehen sorgen.

So etwa der Skandal um das Auftrittsverbot für Rade Šerbedžija in seiner Heimatgemeinde Vinkovci in Kroatien.

Oder, um in Kroatien zu bleiben, dieser Anfall von Geschichtsrevisionismus.

Nicht weniger revisionistisch dieses Beispiel aus Serbien. Auch darauf hat mich eine Leserin aufmerksam gemacht.

Was wiederum zu dieser Geschichte geführt hat.

Die schönen und die weniger schönen Seiten des Alltags

Mittlerweile ist mein Blick auch etwas geschärfter. Manches fällt mir auch schon ganz alleine auf.

Regelmäßig ist Balkan Stories auch ein Sprachrohr für die Menschen, die gegen diesen Irrsinn vorgehen.

Auch wenn es, wie in diesem Fall, manchmal ein nachträgliches Danke für jahrzehntelangen Widerstand ist.

Kennengelernt hab ich Džo auf einer Demo der Protestbewegung gegen den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić. Über diese außerparlamentarische Opposition hat Balkan Stories ebenfalls regelmäßig berichtet.
Ein eher unbeleuchtetes Thema hierzulande ist die Emigration aus praktisch alles Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Auch aus Mazedonien.

Eine Geschichte aus dem Alltag ist diese Reportage aus Neum.

So kroatisch-nationalistisch das offizielle Stadtbild ist, so wenig spielt die Herkunft von Saisonarbeitskräften am kleinen Streifen bosnischer Küste eine Rolle.



Und dann gibt es auch noch diese schönen kleinen Alltagsgeschichten. Hier zum Beispiel.
Oder diese wunderbare Initiative.
Wie ich Balkan Stories betreibt Anđela ihre Seite Balkanium in der Freizeit. Ein Auf und Ab ist da unvermeidbar.

Wer mich durch die schwierige Corona-Zeit getragen hat

Man hat es auch bei mir in den vergangenen eineinhalb Jahren bemerkt. Auch eine Folge der Corona-Pandemie. Auf Dauer ist so etwas nicht gerade inspirierend.

Nur tun Menschen am Balkan dann doch immer wieder Dinge, die einen mitreißen.

Oder ich stoße auf Reisen auf unerwartet tolle Ausstellungen.
Wobei die Reisen für sich schon abenteuerlich ausfallen können. Auch vor Corona.

Um das Angebot für euch abzurunden, gibt es Balkan Stories auch auf Youtube.

Zugegeben, hier finden sich nicht so viele Geschichten, wie ich gerne hätte.

Aber das wird.

Was 2022 anders wird

Ausgehen werden Balkan Stories die Geschichten in absehbarer Zeit nicht.

Freilich, ein bisschen wird sich ändern.

Da ist eure Mithilfe gefragt.

Die Kosten für den Blog steigen.

Das liegt vor allem an der Ausrüstung.

Eine Kamera da, ein Stativ hier, ein Laptop, auf dem auch eine gute Videoschnitt-Software funktioniert.

Plus die eine Extrafahrt hier- oder dorthin.

Bisher habe ich die Kosten aus dem Gehalt meines Brotberufs getragen.

Ein paar absehbare Neuanschaffungen machen das schwieriger.

Außerdem steht aus meiner Sicht eine Generalüberholung des Layouts an. Das traue ich mir ohne professionelle Unterstützung alleine nicht zu.

Ich kann Geschichten erzählen. Andere können Design. Beides braucht einander.

Auf ein Bezahlmodell will ich keinesfalls umstellen. Die Geschichten von Balkan Stories sollen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Mit Bezahlschranken geht das nicht.

Ich überlege, Anfang nächsten Jahres ein Spendenmodell einzuführen, wie es auch andere Blogs haben.

Dann kann ich euch mehr Geschichten in besserer Qualität bieten.

Und, auch wenn ich mich noch nicht entschieden habe, welches Modell es sein wird – den ersten Spenderinnen und Spendern kann ich schon T-Shirts als Dankeschön in Aussicht stellen.

Designt hat sie meine liebe Freundin Maja Batina aus Split und Sarajevo. Gedruckt werden müssen sie noch. Dann kann ich sie euch vorstellen.

Ihr werdet sie lieben.

Helfen könnt ihr natürlich auch ohne Geld.

Wenn euch meine Geschichten gefallen – teilt sie auf sozialen Medien. Erzählt Menschen davon, die sich für sie interessieren könnten.

Ihr könnt den Blog auch über WordPress abonnieren oder Balkan Stories über Facebook folgen.

Titelbild: Mario Scheichel