Der serbische Straßenhund Žile hat ein neues Zuhause gefunden. Bei seiner neuen Besitzerin Saška. Und an einem Ort, an dem man einen ehemaligen Streuner wahrscheinlich nicht zuallererst vermuten würde. Und wo der freundliche Rüde vielen Menschen eine Freude macht. Außer vielleicht einer Katze.

Bevor sie auf einem Barhocker Platz nimmt, macht Saška Žiles Leine los.

Der kleine Hund läuft sofort zu Bogdan und begrüßt ihn freudig.

Bogdan hat heute Dienst in der Red Bar in der Skadarska Ulica, im Herzen von Beograds mittelschwer touristisch gewordener Ausgehmeile.

„Žile ist der Hund meines Freundes“, sagt mir Saška, „und das ist der Bruder von Bogdan. Der Arme hat auf der Straße gelebt, wir haben ihn vor drei Monaten adoptiert“.

„Žile“, ruft eine Stammgästin des Lokals.

Der Gerufene erkennt die Stimme sofort und wuselt zu ihr.

Nicht, dass der ungefähr drei Jahre alte Hund schüchtern wäre.

„Er mag Menschen wirklich“, erzählt mir Saška. „Da ist es auch kein Problem, dass wir ihn hier frei herumlaufen lassen.“

Das gilt auch für den großen Schanigarten.

Žile geht von Tisch zu Tisch und holt sich seine Streicheleinheiten ab.

Die Gäste mögen es genauso wie er.

Das ist ungewöhnlich.

Hier landen viele Hunde auf der Straße

Nicht, dass man im ehemaligen Jugoslawien etwas gegen Hunde hätte.

Nur, in Lokale darf man selten mit ihnen.

Das ist eine kulturelle Sache.

Wie insgesamt trotz vieler Hundeliebhaber der Zugang zu Haustieren ein anderer ist als nördlich von Ljubljana oder zumindest von Zagreb.

Dass Hunde frei herumlaufen dürfen, ist nicht auf kleine Dörfer beschränkt.

Auch in Touristenorten wie Herceg Novi oder Supetar passiert das.

Fallweise kehrt einer nicht mehr zurück und das führt allerorten zum Problem Straßenhunde.

Meist zieht es die Hunde in Ballungsräume, wo ihre Überlebenschancen besser sind.

Dort vermehren sie sich auch rasant.

Katzen haben es einfacher

Einen erwachsenen Streuner zu finden, der Fremden gegenüber nicht reserviert ist, ist eine Seltenheit.

Wenn du als Hund auf der Straße landest, kriegst du zwar auch viel Hilfe, machst aber auch einiges an schlechten Erfahrungen mit Menschen.

Bei Katzen ist das einfacher.

Die lässt man hierzulande auch in Großstädten frei herumlaufen.

Wenn sie sich irgendwo nicht mehr wohlfühlen, suchen sie sich ein neues Zuhause.

Interessanterweise haben viele Lokale ihre Hauskatzen.

Zumindest, so lange es denen gefällt.

Žile frisst seine Futterschüssel leer.

Eine Katze sieht aus sicherer Entfernung jedem Bissen zu, wie er in Žiles Maul verschwindet.

Žile ist ein echter Glücksfall für seine neue Familie

Žile reagiert kaum auf sie.

Wahrscheinlich ist er nicht auf der Straße geboren worden sondern hat einen guten Teil seines jungen Lebens bei einer Familie verbracht.

Wie und warum er auf der Straße landete, wird sich nicht so einfach klären lassen.

Der Futtertopf ist leer. Der Wassernapf auch beinahe.

Žile sucht wieder nach Schmusegefährten.

Und Leckerlis.

Auf dem Weg begleiten ihn Freudebekundungen vor allem der weiblichen Gäste der Red Bar.

Die Katze sitzt auf einer Gartenmauer zum Nebengebäude und weiß nicht recht, ob sie sich wieder ins Lokal trauen soll.