Die Krächzende Lederhose, vulgo Andreas Gabalier, hat sich selbst eine schwere Niederlage zugefügt. Der selbst ernannte Volks-Rock’n Roller hatte sich mit dem Wiener Tschuschenrapper Kid Pex angelegt. Künstlerisch sieht er ziemlich alt aus. Juristisch ebenfalls. Die Wiener Staatsanwaltschaft ist nicht der Meinung, dass er vom Rapper bedroht worden sei.

Es gibt Duelle, die spannend sind, auch wenn man vorher weiß, wer gewinnt. Krächzende Lederhose gegen Kid Pex etwa.

Es war klar, dass sich Andreas Gabalier übernimmt.

Der volkstümelnde Schlagersänger ist dem in Zagreb geborenen Rapper in jeder menschlich relevanten Hinsicht unterlegen: musikalisch, künstlerisch, bei der Intelligenz, beim Wortwitz, beim Humor und von der Mode reden wir lieber nicht.

Lustig ist es trotzdem, Gabalier beim Verlieren zuzusehen.

Das nennt man wahrscheinlich Schadenfreude.

Angesichts der Ausgangsposition überrascht es vielleicht nicht sonderlich, dass die Krächzende Lederhose eher mit Aussagen auffällt, die ans Nationalistische, Homophobe, Sexistische, Dumpfbiedere zumindest grenzen, als als Sänger.

Das sichert ihm kommerziellen Erfolg.

Es sagt wiederum Einiges über den Geschmack der Massen aus, wenn sie sich von solch dumpfen PR-Sagern und der Aussicht auf banalste Liedtexte zu abgeschmackten Volkstümelschlagerrhythmen in Konzerte locken lassen.

Staatsanwaltschaft legte Gabaliers Anzeige zurück

Es wäre ein Charakterbruch, wäre die Krächzende Lederhose nicht auch leicht beleidigt und würde nicht überall Feinde und Bedrohungen wittern.

So sind sie immer, die volkstümelnden und volkstümlichen Recken.

Heroisch bis ins Mark.

Petar Pero Rosandić, im Künstlernamen Kid Pex, etwa soll so eine Bedrohung sein. Sagte die Krächzende Lederhose, als ihr eine Zeile aus dem regierungskritischen Song „So viel Polizei“ von Kroko Jack und Kid Pex zugetragen wurde.

„I tät den Gabaliet nicht an die Wand stellen, aber samma si ehrlich, eigentlich ghert er ersch…“

Die Krächzende Lederhose bekam Angst und schaltete die Staatsanwaltschaft Wien ein. Kid Pex und Kroko Jack hätten ihm mit Mord gedroht.

Haben sie nicht, befand die Staatsanwaltschaft Wien. „Eine von Amts wegen zu verfolgende Straftat liegt nicht vor“, heißt es in einem offiziellen Schreiben der StA Wien, „(…) weil die dem Ermittlungsverfahren zugrundeliegende Tat nicht mit gerichtlicher Strafe bedroht ist.“ Das Schreiben liegt Balkan Stories vor.

Die Revanche von Kid Pex

Wenn du kein Glück hast, kommt Pech auch oft noch dazu, lautet ein österreichisches Sprichwort.

In dem Fall könnte man Wienerisch auch sagen: „Ana hat imma des Pummal“ (Einer hat immer das Pech).

Kid Pex revanchierte sich mit einem neuen Song für die juristischen Angriffe der Krächzenden Lederhose.

Nicht nur, dass Kid Pex der Krächzende Lederhose künstlerisch einwandfrei bis beeindruckend eine auflegt, wie man in Wien sagt.

Der Clip wirft auch eine entscheidende Frage auf: Wie kommt die Krächzende Lederhose dazu, sich als Volks-Rock’n Roller zu bezeichnen?

Das Völkische kommt ihr aus allen Poren. Aber hat irgendwer schon den Rock wahrgenommen?

In edler Tradition 

Künstlerische und finanzielle Unterstützung bekam Kid Pex vom „Kollektiv besorgter Bürgerinnen und verängstigter Demokraten“.

Zu sehen sind unter anderem Legende Hermes Phettberg und Monika Weber, Tochter des legendären Drahdiwaberl Frontman Stefan Weber, der im Vorjahr verstorben ist.

Dass sich Kid Pex mit seinem Spott- und Protestsong „Hulapolizei“ und vor allem mit dem Video ein wenig in die Tradition der österreichischen Anarchoband stellt, ist alles andere als Anmaßung.

Künstlerisch wie politisch standen und stehen beide für Aufbegehren, Hinterfragen verkrusteter Strukturen, sind beide Stimmen von unten. Generationsspezifisch mit anderen Ausdrucksformen, klarerweise.

So etwas nennt man Entwicklung.

(Die man bei der Krächzenden Lederhose nicht sieht. Ästhetisch ist sie vor 40 Jahren steckengeblieben. Heino im Pseudotrachtenoutfit, das durch die gelegentlichen leicht selbstironischen Anflüge besonders peinlich wirkt, Sonnenbrille inklusive. Nur die Stimme ist schlechter.)

Dass so viele Kolleginnen und Kollegen inhaltlich hinter dem Song stehen, hat aus Sicht von Kid Pex die Produktion des Videos erst ermöglicht. 

Viele haben ihre Arbeitskraft und ihr Können kostenlos eingebracht. „Sonst hätten wir uns das nicht leisten können“, sagt der Rapper gegenüber Balkan Stories.

Die Stimmen von unten

Pero alias Kid Pex, nach Eigenbezeichnung Tschuschenrapper, ist eines der Beispiele von Musikerinnen und Musikern mit Migrationshintergrund, die seit einigen Jahren das Aushängeschild der kritischen jungen Wiener Musikszene sind und die Stagnation beendet haben, die fast zwei Jahrzehnte lang in der österreichischen U-Musik zu spüren war.

Endlich melden sich wieder die zu Wort, die nicht mit dem Goldenen Löffel geboren wurden.

Drängen die nach vor, die man am besten mit dem aus politischen Gründen außer Mode gekommenen Wort Arbeiterklasse beschreibt.

Sie verarbeiten Diskriminierungserlebnisse wegen ihrer Herkunft, ihrer Nachnamen, ihrer Religionszugehörigkeit, und die Erfahrungen zu denen zu gehören, die nichts zu verkaufen haben als ihre Arbeitskraft.

Sie wollen das nicht mehr hinnehmen. Und irgendwer muss ja darüber reden, was in unserer angeblich klassenlosen Gesellschaft Tabuthema geworden ist.

Dass es im Kapitalismus eben nicht nur Gewinner gibt. Sondern fast nur Verlierer.

Für Kid Pex ist das Weltoffene nicht nur Pose wie für seinen Kontrahenten, die Krächzende Lederhose, wenn sie zufällig mal auf ein schwules Fanpärchen trifft.

Es ist die einzige Art, wie man sinnvoll in so einer Position überleben kann. Geistig, künstlerisch, intellektuell.

Das zeigt sich auch in seinem T-Shirt-Label Wien Oida, den Balkan Stories vor einiger Zeit vorgestellt hat.

Auch wenn gerade die junge Generation in Österreich nicht vom politischen Rechtsruck verschont geblieben ist, auch wenn sich rechts- wie liberalidentitäre Positionen bei Allzuvielen fest in die Denkstrukturen gefressen haben – es gibt sie, die jungen Wienerinnen und Wiener für die sowas wie Hautfarbe oder Akzent etwas sind, das man wahrnimmt, das aber sonst keinerlei Bedeutung hat.

Die sich als Kinder dieser wunderbaren Stadt begreifen und sie miteinander teilen wollen.

Was vielleicht erklärt, warum Pero der Krächzenden Lederhose nach der berechtigten Ladung Spott ein Versöhnungsangebot macht.

Titelbild: Albumcover Hulapolizei