In Banja Luka in Bosnien hat die Polizei am Mittwoch überraschend Davor Dragičević aus der Haft entlassen. Der Sprecher der Protestbewegung Pravda za Davida war am Dienstag festgenommen worden. Gleichzeitig versucht die Regierung der Republika Srpska weiter, die Protestbewegung zu zerschlagen. Diese Versuche stoßen auf Proteste der Bevölkerung.

Davor Dragičević hat am Mittwochvormittag sichtbar entspannt das Polizeigefängnis in Banja Luka verlassen.

Davor war am Tag davor unter medialem Rummel festgenommen worden und erlitt bei der Festnahme leichte Verletzungen.

Seine Entlassung am Mittwoch kam überraschend. Tags davor hatte die Polizei angekündigt, er werde 30 Tage in Haft bleiben.

Der Vorwurf, den der Innenminister des bosnischen Teilstaats Republika Srpska (RS) am Mittwoch wiederholte: Davor habe bei einer Protestaktion versucht, sich „gewaltsam“ Zutritt zum Parlament der RS in Banja Luka zu verschaffen.

Kritiker sehen das als Vorwand. Tatsächlich sei es darum gegangen, die Protestbewegung Pravda za Davida zu zerschlagen.

Davor ist Sprecher der Bewegung. Sie fordert, dass der Mord an Davors Sohn David im März endlich aufgeklärt wird.

David war mitten in Banja Luka entführt worden. Tage später tauchte seine Leiche in einem Abwasserkanal wieder auf. Der junge Mann war tagelang gefoltert und vergewaltigt worden.

Der oder die Mörder sind bis heute zumindest offiziell unbekannt. Der Verdacht, die Polizei wolle etwas vertuschen oder sei gar selbst verwickelt, steht im Raum.

Begweung wurden weitere Demonstrationen untersagt

Dass es bei der Festnahme von Davor und der von Davids Mutter Suzana Radanović wahrscheinlich weniger um juristische Vorwürfe gegen die beiden geht sondern darum, Druck auf Pravda za Davida auszuüben, haben Polizei und die Regierung der RS am Mittwoch selbst ziemlich klar gemacht.

RS-Innenminister Dragan Lukač berief eigens eine Pressekonferenz zur Protestbewegung ein.

Der seien weitere Demonstrationen verboten, sagte er gegenüber Medien.

Er beschuldigte Davor und Andere, die Regierung der RS bedroht zu haben und ungeheuerliche Vorwürfe gegen sie erhoben zu haben.

Er stellte auch in den Raum, dass Davor versucht habe, Gewalt anzuwenden.

Man habe das Verhalten von Pravda za Davida neun Monate lang toleriert, damit sei Schluss.

„Niemand steht über dem Gesetz“, sagte Lukač.

Weitere Kundgebungen auf dem Trg Krajine seien möglich, müssten aber zuvor angemeldet werden, meinte der Innenminister.

Das mutet an wie Vorwärtsverteidigung.

Polizei war gegenüber Demonstranten gewalttätig

Tatsächlich war es die Polizei und nicht die Demonstranten, die Gewalt ausgeübt hatte.

Als der Trg Krajine geräumt wurde, wurden mehrere Menschen verletzt.

Unter anderem auch ein Mitglied des Parlaments der RS, Draško Stanivuković.

„Wissen Sie, dass man mich in die Genitalien getreten hat“, fragte der Oppositionspolitiker den Innenminister über die Medien.

Wie die Polizei vorging, wird auch in zwei Bildern klar, die mittlerweile zu Symbolen der Protestbewegung geworden sind.

Die Aufnahmen sind sehr knapp nacheinander gemacht worden. Sie zeigen das gleiche Kind, wie es vor der Polizei mit zwei emporgestreckten Fäusten posiert – die Faust ist Symbol der Bewegung – und wie es gemeinsam mit seiner Großmutter (in der schwarzen Jacke, unmittelbar vor den Polizeischilden) und einer weierten Frau von Polizisten abgedrängt wird.

Die Polizei macht klar, dass sie keine weiteren Kundgebungen am Trg Krajine dulden wird.

„Es sind in der ganzen Innenstadt Polizisten unterwegs und sie sind so verteilt, dass sie innerhalb weniger Minuten am Platz sein können“, sagt ein Aktivist von Pravda za Davida gegenüber Balkan Stories.

Solidarität aus ganz Bosnien

Während das harte Vorgehen der Polizei größere Aktionen für Pravda za Davida in Banja Luka vorläufig unmöglich macht, gehen in ganz Bosnien Menschen aus Solidarität auf die Straße.

In Sarajevo legten Demonstranten kurzzeitig die Hauptverkehrsachse lahm.

Dieses Foto stammt aus Mostar.

48960137_10217062152522240_7130703398596247552_n

In Tuzla gab es eine größere Demonstration.

Kleinere Aktionen gab es auch in Kleinstädten wie Doboj in der RS.

Die größeren Kundgebungen scheinen anch aktuellem Informationsstand hingegen auf die Federacjia beschränkt geblieben zu sein, den bosnjakisch-kroatischen Teilstaat Bosniens.

Viele Menschen haben Angst

Zum einen soll die Polizei in der RS gestern mehrere Busse mit Sympathisanten von pravda za Davida abgefangen haben.

Zum anderen dürfte die Korruption in der RS die Mobilisierung behindern. „Die Menschen haben Angst“, sagt eine Unterstützin von Pravda za Davida Balkan Stories.

„Wer die Bewegung unterstützt, kann seinen Job verlieren“, sagt sie.

In der RS gelten weite Teile der Wirtschaft als verbandelt mit der Partei des langjährigen Präsidenten der RS, dem serbisch-nationalistischen Milorad Dodik.

Dodik ist heute Mitglied des Staatspräsidiums Gesamtbosniens.

Unterdessen unterstützen auch Menschen außerhalb Bosniens Pravda za Davida.

In Beograd organisierte die Protestbewegung Ne da(vi)mo Beograd eine größere Protestkundgebung.

 

 

 

Mehr über die Bewegung Pravda za Davida erfahrt ihr HIER.