In heimischen Betriebskantinen und auf den Mittagsmenüs heimischer Restaurants wird regelmäßig der Balkan grausamst vernichtet. Den Österreichern nicht zur Ehre gereichend, bleibt dieses Kulturbanausentum meist konsequenzenlos. Eine nüchterne Polemik.

Man kann froh sein, dass Diplomaten aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens nie in Betriebskantinen oder auf das Mittagsmenü einer durchschnittlichen Gaststätte in Österreich eingereicht werden.

Was dort unter dem Namen Ćevapčići serviert wird, würde sonst eine schwere internationale Krise auslösen.

Es wäre nicht abwegig, würden sich alle Nachfolgestaaten Jugoslawiens entschließen, Österreich gemeinsam wegen dieser schweren Beleidigung des kulturellen Erbes den Krieg zu erklären.

Zumindest Wirtschaftssanktionen müssten drin sein.

Es wurde schon Botschaftspersonal wegen weniger ausgewiesen.

Das Zeug wäre auch mit anderem Namen eine Zumutung

Dass der angebotene Fraß auch noch Cevapcici geschrieben wird, mag die Ahnungslosigkeit des kochenden Personals dokumentieren, macht die Sache aber auch nicht harmloser.

Das Zeug wäre in der Regel auch eine Zumutung, wenn es nicht Ćevapčići heißen würde sondern meinetwegen Fleischstäbchen oder sonstwie.

In der Regel in der Pfanne herausgebraten, bis es verbrannt ist oder ihm Rohr gebacken, bis es so trocken ist wie die Sahara vor der Regenzeit. Oder aus der Mikrowelle, so lätschert, dass es auseinanderfällt, wenn du’s nur ansiehst.

Gewürzt mit möglichst viel Paprika und häufig mit Zwiebeln im Fleisch, von dem du ohnehin nicht weißt, von welchem Tier es kommt, gestreckt mit Aromaverstärkern.

(Wieso gibt es eigentlich so wenige streunende Katzen in Österreich?)

Egal wie das Ding heißt, dieses Produkt eines österreichischen Lokals gibst du keinem Menschen zum Essen.

Das ist vielleicht für einen altersschwachen Hund geeignet, der seinen Geruchssinn verloren hat.

Ein Verstoß gegen die Gesetze der Natur

Sind die vom österreichischen Küchenchef selbst zubereiteten Fleischfinger schlimm genug, werden sie von den Tiefkühlvarianten locker übertroffen.

Die sind nur im natürlichen Aggregatzustand als Wurfgeschoss brauchbar. Sofern sie in dem Fall nicht unter irgendeine Chemiewaffenkonvention fallen.

Die Dinger sind ein Verstoß gegen sämtliche Gesetze der Natur und des Anstands. So, als ob du Dosenpilze auf eine Pizza gibst.

Ćevapi machen können sie nicht, die Österreicher. Das kann man mit Sicherheit sagen.

Es stellt sich ernsthaft die Frage, ob dieser auffällige Mangel der heimischen Kochkunst genetisch bedingt ist. Aber das ist ein Nebenthema.

Das alles freilich verblasst neben der Beobachtung, wie sich die Österreicher über den unsäglichen Fraß stürzen.

Mit verzückter Miene schlucken sie die vier oder sechs Stück am Teller – nie fünf, wie es sich nach den ewigen Gesetzen der Natur gehört – hinunter und murmeln allenfalls mit leiser Kritik: „Ja, so gut wie in Kroatien sind sie halt nicht, aber schon sehr gut.“

Da braucht man sich über die Wahlergebnisse in diesem Land auch nicht mehr wundern.

Die Geringschätzung ruiniert den eigenen Magen

Es ist bekannt, dass der gemeine Österreicher auf den Balkan, seine Bewohner und deren Kultur ein bisschen herabsieht.

Die heimischen Küchen setzen eines drauf und vernichten diese Kultur mit jeder Portion Ćevapčići, die sie verkaufen.

Wer will denn noch runterfahren, wenn er den Fraß einmal gegessen hat? Da denkt man ja, am Balkan können die nicht kochen und bleibt gleich daheim.

Dass die österreichische Arroganz den südlichen Nachbarn gegenüber soweit geht, dass man sich die Verunglimpfung der dortigen Kochkunst mit Vergnügen in den Magen wirft, weist den heimischen Chauvinismus als das aus, was er ist: Als Selbstverachtung.

Insofern war die Feststellung vielleicht gelogen, dass das Kulturbanausentum meist keine Konsequenzen hat.

Den Magen ruinierst du dir mit diesem Fraß auf jeden Fall.

Das muss einmal ganz nüchtern festgestellt werden.

Das Titelbild zeigt, wie die meisten erkannt haben werden, keine Portion Ćevapčići in einem österreichischen Lokal. Sie zeigt Autor Christoph Baumgarten im Bunker in Konjic. (c) Majda Turkić